Gerold Stagl
Gerold Stagl
Landesdirektor Wr. Städtische Versicherung Bgld.

Gerold Stagl zur Corona-Krise: Versicherer im Interview

Die Corona-Krise hat auch auf die Versicherungsbranche den Druck erhöht. Die Wiener Städtische Versicherung AG spürt ebenfalls die Auswirkungen. Wir haben uns mit Gerold Stagl aus der Landesdirektion Burgenland unterhalten, wie er mit der eingetretenen Situation umgeht und wie der Blick in die Zukunft aussieht.

schau: Welches sind die größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen bzw. Ihre Bereiche im Moment?
Gerold Stagl: In der Wiener Städtischen wird Kundenservice groß geschrieben. Seit jeher prägen regionale Nähe und persönliche Beratung und Betreuung unsere Unternehmensphilosophie. Doch in der Coronakrise heißt es Abstand halten, „physical distancing“ lautet die Devise. Das war für uns natürlich eine große Umstellung. Unsere Landesdirektionen, Geschäftsstellen und die Zentrale sind bis auf weiteres geschlossen, seit Anfang der Woche sind nun die Zulassungsstellen unter Einschränkungen wieder geöffnet. Wir mussten also alternative Wege finden, um mit unseren Kunden in Kontakt zu bleiben. Und das ist uns mit Telefon, Videotelefonie und Email sehr gut gelungen. Auch in dieser Zeit des Abstandhaltens bleibt unser Kundenservice aufrecht und unsere Kunden
können sich auf uns verlassen.

Welche Umstellungen wurden getroffen, zum Beispiel in Sachen Teleworking?
Es ist uns als Wiener Städtische gelungen, in nur wenigen Tagen das Unternehmen fast vollständig auf digitale Beine zu stellen. Unsere Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice und sind dort mit der notwendigen Technik ausgerüstet. So können wir unsere Kundinnen und Kunden virtuell beraten und auch weiterhin Leistungs- und Schadenszahlungen aufrechterhalten. Außerdem haben wir digitale Services in der Gesundheitsvorsorge entwickelt, um unsere Kunden auf unterschiedliche Weise das Leben zu erleichtern.

So haben unsere Kunden die Möglichkeit, rund um die Uhr mittels der TeleDoc-Smartphone-App eine Ärztin oder einen Arzt zu konsultieren. Zudem bieten wir für werdende Eltern einen Online-Geburtsvorbereitungskurs an, der gerade in der aktuellen Situation sehr stark nachgefragt wird. Und natürlich wollen wir auch kulinarisch Gutes tun. In Kooperation mit dem Lieferanten Ich+ können sich Kundinnen und Kunden Obst- und Gemüsekörbe bequem und sicher nach Hause liefern lassen.

Betriebswirtschaftlich ist die Zeit gerade eine große Unsicherheit, wie kann man jetzt seriös planen? Müssen die Gürtel enger geschnallt werden?
Eines muss uns klar sein: Die Welt wird nach Corona eine andere sein, als heute. Das Virus zeigt, wie sensibel unser gesamtes Wirtschaftssystem in Wahrheit ist. Natürlich ist die aktuelle Krise ein Dämpfer für die gesamte Wirtschaft, wie stark die Auswirkungen jedoch sein werden, ist derzeit noch nicht absehbar. Wir alle hoffen, dass wir nach Beendigung der Maßnahmen schnell wieder Fahrt aufnehmen werden und so zu unserem gewohnten Leben zurückkehren können.

Jemand wird arbeitslos – das Geld fehlt für die Versicherung. Welche Möglichkeiten gibt es für KundInnen, Stichwort Prämienzahlung ruhend stellen etc?
Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir hier unsere Kunden unterstützen können. Unsere Berater stehen jederzeit zur Verfügung, um gemeinsam mit den Kunden eine gute Lösung zu finden. Eine Pauschallösung kann es nicht geben, weil die Bedürfnisse immer individuell analysiert werden müssen.

Wie viel Bedarf besteht und werden diese Angebote angenommen?
Es gibt vereinzelt Anfragen, die wir individuell prüfen. Unser vorrangiges Ziel bleibt jedoch, den vollen Versicherungsschutz für unsere Kunden aufrecht zu erhalten. Ich bin fest davon überzeugt, dass uns das – wie schon in der Finanzkrise – auch dieses Mal gelingen wird.

Zum Schluss, wie geht es Ihnen persönlich? Welche Lehren ziehen Sie (bisher) aus der Krise?
Die letzten Wochen waren auch für mich nicht einfach, aber die Entwicklung im Burgenland und auch in ganz Österreich stimmt mich positiv und gibt neue Kraft. Wie bereits gesagt, haben wir binnen kürzester Zeit das Unternehmen fast vollständig auf digitale Beine gestellt. Eine der Lehren für mich ist daher, wie stark ausgeprägt die Anpassungsfähigkeit des Menschen ist. In sehr kurzer Zeit war es möglich, eine neue Infrastruktur und technische Möglichkeiten zu nutzen.

Positiv denken ist angesagt, wie ist Ihre Einschätzung für die Zeit nach der Krise?
Die Wiener Städtische hat seit ihres fast 200-jährigen Bestehens schon einige Krisen miterlebt – ich bin überzeugt, dass wir auch aus dieser gestärkt hervorgehen werden. In den vergangenen Wochen sind die Menschen wieder näher zusammengerückt und besinnen sich gemeinsam auf das Wesentliche. Aktuell sind die materiellen Dinge unwichtig, was wirklich zählt sind unsere Familien, Freunde und Mitmenschen. Ich denke, dass auch die Zeit nach der Krise von Solidarität und Nachhaltigkeit geprägt sein wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Infos und Kontakt:
Wiener Städtische Versicherung AG
Vienna Insurance Group
Landesdirektion Burgenland
Kalvarienbergplatz 7
7000 Eisenstadt
Tel.:   +43 (0)50 350 48000
Fax:  
+43 (0)50 350 99 – 48000
www.wienerstädtische.at