Die Strudlhofstiege
Die Strudlhofstiege
im Theater in der Josefstadt

Wien zwischen 1910 und 1925

Wohin geht eine Welt, wenn sie untergeht? Wohin weicht ihr Urgrund? Oder härtet er vielleicht aus in den Menschen, die den Untergang durchleben?

„Heimito von Doderers ,Strudlhofstiege‘ gehört zu den berühmtesten ungelesenen Büchern der Weltliteratur“, meint Nicolaus Hagg, der den 900-Seiten-Roman für die Bühne bearbeitet hat. Die Jugendstiltreppe im 9. Bezirk ist geografischer Mittelpunkt einer Beschreibung der Wiener Gesellschaft zwischen 1910 und 1925. Im Zentrum des Geschehens steht der Amtsrat und Major a. D. Melzer, den Ulrich Reinthaller spielt. Regie führt Janusz Kica.

Es spielen Ulrich Reinthaller (Major Melzer), Roman Schmelzer (Major Laska), Igor Karbus (Generalkonsul Fraunholzer), Martin Vischer (René von Stangeler), Silvia Meisterle (Editha/Mimi Pastré); vorne: Matthias Franz Stein (Konsul Grauermann), Alma Hasun (Paula Pichler), Marlene Hauser (Thea Rokitzer), Swintha Gersthofer (Asta von Stangeler), Pauline Knof (Etelka von Stangeler), Dominic Oley (Rittmeister von Eulenfeld)

Zutiefst österreichische Geschichte(n)

Nicolaus Haag schreibt über „Die Strudlhofstiege“:

Sie gehört zu den berühmtesten ungelesenen Büchern der Weltliteratur. Schade. Denn sie ist ein wahrhaftiges, ein großes Stück Weltliteratur. Sie ist ein Stück österreichischer Geschichte und zutiefst österreichischer Geschichten. Sie entführt uns in die Tiefe der Jahre, die mehr ist als nur die Vergangenheit. Diese Tiefe hat immer etwas von einem Abgrund, einem Schlund, der uns, die Leser, abstürzen lässt oder hineinzieht. Dieser Abgrund ist der Erste Weltkrieg, an dessen Kippe wir zu Beginn des Romans stehen und an dessen republikanischen Auswirkungen – den Abgrund quasi überspringend – wir uns im zweiten Teil des Romans befinden. Aber nur der Leser springt leichtfüßig. Der nachgeborene Leser. Doderers Strudlhofstiege handelt von jungen Menschen, die um eine Gegenwart ringen. Überlebende, die nicht wissen, dass ihr Überleben – zwangsläufig – in den nächsten Abgrund führt.

Die Strudlhofstiege im 9. Wiener Bezirk ist mehr als nur der Mittelpunkt dieses Jahrhundertromans. Sie pirouettiert sich vom Vorher, vom scheinbar längst Vergangenen, in eine ungewisse, feindliche Gegenwart. Vielleicht ist sie ein Symbol: Sie wurde gebaut, um die „G‘stätten“ zu überwinden, die dort 1910 noch „geblüht“ hat. Vielleicht wurde der Roman geschrieben, um die G’stetten zu überschreiben, die dieser Krieg in den Köpfen und Herzen der Menschen hinterlassen hat, die Heimito von Doderer in größter autobiografischer Selbstentäußerung in diesem Roman schildert.

Tickets und Infos „Die Strudlhofstiege“

  • Aufführungen: ab 5. September 2019
  • Location: Theater in der Josefstadt
  • Telefon: 01/427 00
  • Weitere Infos unter www.josefstadt.org