Bodenarbeit
Bodenarbeit
Kapsch Contemporary Art Prize 2020/2021

mumok: Hugo Canoilas

  • Am 25. Dezember von 10–18 Uhr und dann wieder ab 18. Jänner 2021

Hugo Canoilas, Träger des Kapsch Contemporary Art Prize 2020/2021, kippt in „On the extremes of good and evil“ die Malerei in die Horizontale und legt sie als Bodenarbeit aus, die sich durchschreiten lässt.

Hugo Canoilas nutzt die Tradition und Geschichte der Malerei und Objektkunst, um sie in Verbindung mit installativen und performativen Strategien neu zu bestimmen und zu erweitern. Er nimmt dabei auf aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen sowie die damit verknüpften philosophischen und kunsttheoretischen Diskurse Bezug. Die Ausgangslage bilden miteinander verzahnte Themen wie die Klimakatastrophe, die Umweltzerstörung, die Migration und die sich vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich, deren Virulenz durch Corona eine Art pandemischen Katalysator erhält. Anknüpfungspunkte für die Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen und ihren Folgen findet der Künstler vor allem in jenen posthumanistischen Denkströmungen, die ein anthropozentrisch-hierarchisch erstarrtes Weltbild infrage stellen und einen einfühlsamen Umgang des Menschen mit der Natur und seiner kreatürlichen Umwelt einfordern.

In diesem Zusammenhang einer neuen emphatischen Weltsicht weist Canoilas der Malerei in seiner Ausstellung eine veränderte Form und Funktion zu: Er kippt sie in die Horizontale und legt sie als Bodenarbeit aus, die sich durchschreiten lässt. Über die gesamte Bodenfläche zieht sich auf textilem Grund ein malerisches Szenario ineinander verfließender Formen mit inselartigen Zentren. Das Blau des Grundes und die darauf gesetzten, urzeitlich anmutenden, quallenartigen und tentakulären Farbwesen aus Wolle und Glas erinnern an eine belebte maritime Landschaft von unabwägbarer Tiefe. In einer Zeit, die das social distancing zum neuen Überlebensprinzip erhoben hat, sieht man sich in eine unentrinnbare malerische Biosphäre einbezogen, in der Verführerisches und Bedrohliches, Organisches und Technoides zugleich aufscheinen. Denn der Blick von oben auf die Malerei darunter weckt auch Erinnerungen an digitale Landschaftsszenarien, die wie aus der Perspektive einer Drohne aufgenommen sind. Der hier offerierte Perspektivenwechsel kann auch metaphorisch als Abweichung und Distanznahme zu eingeübten Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen im Gesellschaftlichen begriffen werden, um anders und womöglich auch näher an die Dinge heranzukommen.

Die Ausstellung ist auch der Auftrittsort für die von Elise Lammer und Julie Monot auf Einladung des Künstlers entwickelte Performance „BECOMING DOG“, in der das hierarchische Verhältnis zwischen Mensch und Tier in Frage gestellt und durch das Prinzip der Empathie in einem institutionellen Raum ersetzt wird. Darin nutzen Akteure, die als Hunde verkleidet sind, von Zeit zu Zeit die Malerei als ihre Bühne. Als Wesen, die gewöhnlich am Boden entlang schnüffeln, verkörpern sie die Absicht, den aufrechten Gang und den frontalen Blick als Maß aller Dinge zu relativieren. Menschliches und Tierisches erscheint hier wie in einer Travestie ineinander geblendet, um vorgebliche Gewissheiten über Identität und Einzigartigkeit zur Diskussion zu stellen.

Infos „Hugo Canoilas. On the extremes of good and evil“

  • Bis 5. April 2021
  • mumok, 7., Museumsplatz 1
  • Tel. 01/525 00-0
  • www.mumok.at